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Ursula Schulte (SPD) besucht Kita: Wo die Kitas Sorgen haben

VREDENKinderstimmen kommen gedämpft an in dem kleinen Besprechungsraum. Sie verraten nicht, aus welchem Land die Jungen oder Mädchen stammen. Genau das aber ist gerade Thema in der Runde, in der auch Ursula Schulte sitzt.

Wo die Kitas Sorgen haben
Ursula Schulte (2.v.r.) informierte sich im St.-Georg-Kindergarten; mit im Bild v.l. SPD-Fraktionsvorsitzender Reinhard Laurich, Verena Papo, Charlotte Unterberg und Ulrike Nitsch (SPD-Ortsverein). Foto: Thorsten Ohm

Die SPD-Bundestagsabgeordnete besucht an diesem Morgen den St.-Georg-Kindergarten – ein kleines Heimspiel für die Vredenerin, die sich erneut um ein Mandat bewirbt. Sie will an diesem Morgen erfahren, welche neuen Wege die Kita geht. Dort gibt es seit einigen Monaten eine Fachkraft, die sich um die Sprache der Jungen und Mädchen kümmert. „Wieviele Kinder betreuen Sie hier?“, möchte Ursula Schulte wissen. 78 Kinder aus 17 Nationen“, berichtet Leiterin Doris Becking. Ursula Schulte macht sich eine Notiz – nicht die letzte in den nächsten 85 Minuten.

Die Politikerin hört zu, was Doris Becking und Verbundleiterin Charlotte Unterberg über die Situation berichten. Das Gespräch nimmt schnell Fahrt auf: Wie klappt es mit der Integration der Kinder mit Migrationshintergrund? Doris Becking berichtet über die positiven Erfahrungen im Alltag der Erzieherinnen, über das Eingehen auf die Verschiedenheit ebenso wie das, was die Gemeinsamkeiten aller Jungen und Mädchen in dieser kirchlich getragenen Einrichtung ausmacht.

"Zusätzliche Fachkraft tut gut"

Charlotte Unterberg erklärt, was hinter dem Begriff „Sprachkita“ steht, wie sich Verena Papo seit Mai dort einbringt: „Die zusätzliche Fachkraft tut gut.“ Der Fokus richtet sich jetzt auf die Frage der Ausstattung mit Personal. Ursula Schulte fragt, was die Verantwortlichen wohl aller sozialen Einrichtungen heute mit nur einer Aussage beantworten können: Mehr Personal, das würde allen helfen. Charlotte Unterberg erinnert daran, um was es ihr und ihren Kolleginnen dabei geht: „Ich habe manchmal die Sorge, dass die Kinder über den Tellerrandfallen.“

Ursula Schulte hört, dass der Bedarf an Betreuung stärker steigt, als der Personalschlüssel mitwachsen kann. Knappe Notbesetzungen sind in den Kitas der Alltag. 55 Jungen und Eltern sind allein in der Kita St. Georg auch über Mittag da. Ursula Schulte macht sich eine Notiz, als sie diese Zahl hört. Immer mehr jüngere Kinder seien darunter, die Anforderungen an Personal und Raum stellen. „Wir haben die Ausruhphase in die Turnhalle verlegt, weil wir nur noch dort Platz dafür haben“, berichtet Doris Becking.

Unsicherheiten

Ursula Schulte will jetzt wissen, wie es um das Buchungsverhalten der Eltern bestellt ist – 45 Stunden pro Woche seien inzwischen der Normalfall, antwortet die Leiterin. „Da würde doch ein grundsätzliches Zeitfenster Sicherheit schaffen“, sagt Ursula Schulte. Denn wo die Stundenzahlen jedes Jahr neu gebucht werden, müssen manche Erzieherinnen um ihren Job bangen und die Kleinen sich auf wieder neue Bezugspersonen einstellen. „Das ist etwas, das Eltern wütend macht“, sagt Charlotte Unterberg.

Die Runde spricht weiter über die Bedingungen für eine gute personelle Ausstattung, über die Folgen des gesellschaftlichen Wandels, über die Nöte von alleinerziehenden Müttern mit schmalem Verdienst und kräftezehrenden Jobs. Charlotte Unterberg sagt: „Viele sind einfach nur froh, wenn sie es schaffen, ihren Alltag zu meistern.“ Ursula Schulte unterstreicht nun etwas, das sie sich kurz zuvor aufgeschrieben hat.
Verena Papo berichtet jetzt noch einmal über ihre Aufgabe, die Sprache der Kinder zu fördern, wie sie die Erzieherinnen in den Gruppen unterstützt, wie sie Eltern mit ins Boot nimmt. Wieder fliegt der Kugelschreiber über Ursula Schultes Blatt mit Notizen.

Gibt es keine Lobby?

Ganz zum Schluss rücken Fragen in den Raum, auf die es keine einfache Antwort zu geben scheint: Haben Kindertagesstätte keine ausreichende Lobby, ist ihre Stimme nicht vernehmbar genug? „Manchmal habe ich den Eindruck, dass es die Lauten sind, die sich eher Subventionen sichern“, sagt Ursula Schulte.

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