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Rettungswache: Der Notarzt ist oft mit an Bord

VREDEN„Eine Stunde...“ hat die Redaktion der Münsterland Zeitung ihre Sommerserie genannt. Dabei besucht ein Redaktionsmitglied einen Ort oder einen Menschen und beobachtet, was in den folgenden 60 Minuten in seinem Umfeld passiert. Diesmal war Redaktionsleiter Bernd Schlusemann Gast auf der Rettungswache des DRK an der Oldenkotter Straße in Vreden.

Der Notarzt ist oft mit an Bord
Andreas Stroetmann (links) und Rüdiger Neck vom Rettungsdienst des DRK in Vreden. Foto: Bernd Schlusemann

Aus den geplanten 60 Minuten auf der Rettungswache des DRK wurde nichts. Nach 43 Minuten rückt die Besatzung des Rettungswagens aus: Verdacht auf Oberschenkelhalsbruch.

Andreas Stroetmann (40), Notfallsanitäter beim DRK, öffnet die Tür. Die Klingel hat ihn vom Computer weggeholt. Ist er nicht mit seinem Kollegen Rüdiger Neck (41) bei einem Rettungseinsatz, macht er die Dienstplanung für das achtköpfige, hauptamtliche Team der Wache, die sieben Tage die Woche 24 Stunden – von 7 bis 7 Uhr – besetzt ist. Rüdiger Neck ist (noch) Rettungsassistent und prüft gerade die Bestandsliste des Rettungswagens: Was fehlt und muss aufgefüllt oder nachbestellt werden?

Schulung zum Notfallsanitäter

Beide sind seit 17 Jahren hauptberuflich im Rettungsdienst. Rüdiger Neck hat auf einer Wache Zivildienst gemacht und so seinen Beruf gefunden. Im Oktober besucht er eine Schulung zum Notfallsanitäter. Das DRK schult alle Rettungsassistenten zu Notfallsanitätern weiter. „Die haben mehr Kompetenzen und dürfen sogar gewisse Medikamente geben“, erklärt Andreas Stroetmann einen wichtigen Unterschied.

1300 Einsätze im Jahr 2016

Seit 7 Uhr ist das Duo am Mittwochmorgen im Dienst. Einen Einsatz gab es noch nicht. „Gestern waren die Kollegen fünfmal raus“, berichtet Rüdiger Neck. Der Durchschnitt liegt bei drei bis vier Einsätzen am Tag. „Im letzten Jahr waren es rund 1300, 484 davon zusammen mit dem Notarzt“, rechnet Andreas Strotmann aus.
Der Notarzt, das ist so eine Besonderheit in Vreden. Wird der benötigt, fährt der Rettungswagen zum Krankenhaus und nimmt ihn auf. „Unser Wagen ist sozusagen ein Zwitter“, meint Rüdiger Neck. Die Ausstattung, die üblicherweise in einem separaten Notarztwagen zum Einsatzort mitgebracht wird, haben Stroetmann, Neck und ihre Kollegen an Bord. Ein großartiger Zeitverlust durch die Fahrt zum Krankenhaus, um den Notarzt aufzunehmen, entsteht nach Meinung der Sanitäter nicht: „Das Krankenhaus ist um die Ecke“, so Stroetmann. Das war bis zum Jahr 2005 anders. Da stand der Rettungswagen in der Feuerwache an der Wüllener Straße. Nach Übernahme der Aufgaben durch das DRK wechselte der Standort der Wache.

Rettungswagen als Reserve

Wer sich jetzt wundert, dass an der Feuerwache oft ein Rettungswagen steht: Das ist eine Reserve des Kreises. Gedacht als Ersatz, wenn ein Wagen in der Werkstatt ist. Gedacht auch als zusätzliches Einsatzfahrzeug bei Großschadenereignissen. Wird es auf der DRK-Wache personell eng, dann gibt es immer Ehrenamtliche aus Vreden, die mit ihrer Ausbildung als Rettungsassistent einspringen. Oft sind das Feuerwehrleute.
Einsätze der Rettungswagen werden durch die Kreisleitstelle in Borken koordiniert. Die Teams aus Vreden sind überwiegend im Raum Vreden unterwegs, werden aber auch in Stadtlohn und im restlichen Kreisgebiet eingesetzt.
Wie das funktioniert? In dem Moment spuckt ein Drucker ein Blatt Papier aus.

Einsatz in der Innenstadt

Sekunden später schlagen die Melder an den Hosengürteln des Rettungsduos Alarm. Auf dem Display wird etwas sichtbar, aber Andreas Stroetmann nimmt das Blatt Papier aus dem Drucker: Vreden, Innenstadt, Straße, Hausnummer, Grund der Alarmierung, mit oder ohne Notarzt, Besonderheiten... – das Blatt enthält alles, was schon bekannt ist und die Besatzung des Rettungswagens wissen sollte. Durch eine Stahltür geht es zum Rettungswagen, Jacke übergestreift, das Rolltor ist schon hochgefahren, wenig später fährt der Rettungswagen in Richtung Innenstadt – Minute 43.
Nach dem Einsatz meldet sich Rüdiger Neck noch einmal. „Die Hausnummer gerade war schwer zu finden, das kostet Zeit, wenn es darauf ankommt“, nennt er ein Problem, das immer wieder vorkommt. Ranken über der Nummer oder das Schild in einer unbeleuchteten Ecke – der Rettungswagen fährt vorbei, muss suchen...

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