Ein Angebot aus dem Medienhaus Lensing

B 70: Arbeiter fürchten um Sicherheit: 5000 fuhren in Baustelle zu schnell

OEDINGEs ist Dienstagmorgen, 10.30 Uhr. Peter Csonka sitzt schon seit 7.30 Uhr in einem Transporter hinter der Leitplanke an der B-70-Baustelle am Ortsausgang von Oeding. An seinem Monitor sind in diesen drei Stunden etliche rote Zahlen aufgeleuchtet. Genau waren es 150. Allesamt Hinweise auf Geschwindigkeitsüberschreitungen. An wenigen Tagen waren es mehr als 5000.

1/3
  • 5000 fuhren in Baustelle zu schnell

"Beim Schnellsten wurden 97 km/h gemessen", erklärt der Polizist, der im Auftrag der Kreispolizeibehörde Borken an diesem Tag mal wieder Messungen durchführt. Bereits in dieser kurzen Zeit seien 20 Anzeigen fällig gewesen. "Durch Hinweise der Bauarbeiter sind wir aktiv geworden", sagt Polizei-Sprecher Frank Rentmeister auf Anfrage. Und das mit erschreckendem Ergebnis: Bei den Messungen an mehreren Tagen der vergangenen Woche stellte sich heraus, dass 5146 Fahrer schneller als die hier vorgeschriebenen 50 km/h fuhren. Darunter etliche Raser.

"Das ist hier wirklich kein Spaß"

Eine Situation, die auch Karlheinz Feldkamp und Jan Berghaus, Bauleiter der Firma Oevermann, die im Auftrag des Landesbetriebs Straßen NRW die Maßnahme durchführt, schwer im Magen liegt. Feldkamp: "Das ist hier wirklich kein Spaß, wir müssen oft in der Baustelle auch herumlaufen, was manchmal richtig gefährlich ist." Insgesamt sind hier seit Mitte Juni zehn Mitarbeiter im Einsatz, um das 1,6 Kilometer lange Straßenstück zu erneuern. Zurzeit wird aber erst mal der Radweg angelegt, kann der Verkehr zwar auf verengten, aber immerhin zwei Bahnen, fahren.

Ab voraussichtlich Oktober aber werden die Fahrzeuge hier nur noch in eine Richtung fahren können: nach Coesfeld. Dann wird zwar nicht mehr so schnell gefahren, aber dafür werden andere Probleme erwartet. "Wenn es dann zu Stop and Go kommt, dann müssen wir aufpassen, dass wir nicht angespuckt werden, oder mit Dosen beschmissen werden", berichtet Bauleiter Feldkamp aus seinen Erfahrungen. Dabei seien dumme Sprüche nur die harmloseste Variante. Den Menschen fehle häufig das Verständnis und die Einsicht in die Notwendigkeit einer Baustelle, teilt auch Kollege Jan Berghaus die Meinung: "Die Akzeptanz von Baustellen ist im Allgemeinen sehr gering, die Leute wollen einfach fahren und nicht stehen." Hinzu käme, dass es eben auch sehr viele Baustellen gebe.

Stress und Unverständnis

Dass "viele viel schneller fahren", weiß auch Josef Brinkhaus, Pressesprecher von Straßen NRW: "Fehlverhalten kommt einfach immer wieder vor." Eine deutliche Verschärfung sieht er dennoch nicht. Außerdem hält er den Einsatz der Polizei und deren entsprechenden Konsequenzen in solchen Fällen für ausgesprochen wirksam. Als Ursache sieht er: "Stress und Unverständnis".

Keine neuen Probleme für die Bauarbeiter sieht Brinkhaus in der Zeit, wenn die Einbahnstraßenregelung umgesetzt wird: "Es wird eine Umleitung ausgewiesen, und die Arbeiter sind dann auch weiter weg vom Verkehr."

"Straßenverkehr hat eigene Gesetze"

Polizeisprecher Rentmeister kennt auch schon seit Jahren das Gesamtproblem. "Der Straßenverkehr hat einfach seine eigenen Gesetze." Auch eine Erklärung für das Verhalten der Autofahrer glaubt er zu kennen: "Da ist einfach das gefühlte Recht stärker."

Für den Verkehrsdienst der Polizei sind die jetzigen Erfahrungen allerdings ein Grund, mit den Messungen fortzufahren. Rentmeister: "Wie lange, wo und wann werden wird aber nicht verraten." Schließlich gehe es vorrangig um das Ziel der Sicherheit.

Zur Startseite >

Themen

Orte

Kommentare

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

Bitte beachten Sie beim Verfassen eines Kommentars unsere Kommentarregeln.

Verkehr ohne Verkehrsregeln führt ins Chaos. Internet-Debatten ohne Verhaltensregeln auch. Deshalb gibt es diese Kommentarregeln. Sie definieren den Rahmen, der eine sachliche, niveauvolle, faire und offene Diskussionskultur möglich machen soll. Wir bitten alle Leserinnen und Leser, sich an die folgenden Regeln zu halten:

  • Registrierung: Um bei uns mitdiskutieren zu können, müssen Sie sich registrieren. Bitte tun Sie dies mit Ihrem tatsächlichen Namen. Wir behalten uns das Recht vor, Accounts mit Fantasienamen zu sperren.
  • Seien Sie freundlich, fair und tolerant! Ein guter Umgangston ist die Grundlage für eine gute Diskussion. Behandeln Sie andere so, wie Sie selbst behandelt werden möchten.
  • Das bedeutet: Keine persönlichen Angriffe auf andere Nutzer! Beleidigende, rassistische, sexistische, vulgäre, hetzerische oder gewaltverherrlichende Töne sind bei uns nicht erwünscht und werden vom Administrator gelöscht. Gleiches gilt für Links auf entsprechende Seiten im Internet.
  • Teilen Sie Informationen mit uns! Schenken Sie uns und den anderen Lesern Ihr Expertenwissen! Schildern Sie uns Ihre Beobachtungen als Augenzeuge! Stellen Sie Fragen und sagen Sie uns, wozu Sie noch mehr erfahren wollen!
  • Das Veröffentlichen urheberrechtlich geschützter Inhalte - zum Beispiel kompletter Artikel anderer Internetseiten - ist nicht erlaubt. Inhalte und Links mit werblichem oder kommerziellem Charakter werden gelöscht.
  • Es ist verboten, private Daten (Adressen, Telefonnummern, E-Mail-Adressen) zu veröffentlichen.
  • Beachten Sie das Thema einer Diskussion - Off-Topic-Beiträge sind unerwünscht.
  • Mit der Teilnahme an der Diskussion erkennen Sie die Kommentarregeln an. Bei Verstößen kann ein Diskussionsteilnehmer dauerhaft ausgeschlossen werden. Eine Registrierung unter einem anderen Namen wird nicht gestattet.
  • Wir behalten uns vor, einzelne Nutzerbeiträge in anderen Medien zu veröffentlichen. Ein Anspruch auf ein Honorar besteht nicht.
  • Bei technischen Problemen schreiben Sie bitte eine E-Mail an online@ruhrnachrichten.de.
Sie können bis zu 1000 Zeichen als Text schreiben.

Mehr aus diesem Ressort

Auch interessant

Weitere Artikel

Nach Oben
© 2016 Verlag Lensing-Wolff GmbH & Co. KG