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Projekt "Bi us up’n Hoff": Betreuung für Menschen mit Demenz auf dem Bauernhof

LEGDEN/HEEK/AHAUS.Ein Bauernhof irgendwo im Außenbereich von Legden oder Heek. In der Küche schälen einige ältere Frauen Kartoffeln, andere werkeln draußen im Garten. Männer schauen im Stall nach den Tieren oder sitzen einfach auf einer Bank in der Sonne. So könnte es aussehen, wenn der Betriebshilfsdienst Ahaus sein Leader-Projekt verwirklicht. Der treffende Titel lautet: Bi us up’n Hoff.

Betreuung für Menschen mit Demenz auf dem Bauernhof
Markus Bitter, Geschäftsführer des Betriebshilfsdienstes Ahaus, liegt das Projekt besonders am Herzen. Foto: Ronny von Wangenheim

Schon seit Längerem beschäftigt sich Geschäftsführer Markus Bitter mit der Idee, die an Demenz erkrankte Menschen im Blick hat, die eine Tagespflege brauchen. Gerade Menschen, die ihr Leben auf dem Land verbracht haben, könnten dort eine Umgebung finden, die ihnen hilft.

Vorbild in Niederlanden

Ein Hof, der nicht mehr erwerbsmäßig betrieben wird und ein wenig so aussieht, wie ihn Senioren aus ihrem eigenem Berufsleben kennen, ist bereits gefunden. Etwa zehn Plätze könnten hier angeboten werden.
Die Idee entstand in Zusammenarbeit mit der Europäischen Senioren-Akademie. Hier wurden die Helferinnen des Landwirtschaftlichen Betriebsdienstes zum Thema Demenz geschult. „So kam die Idee, ein niederschwelliges Betreuungsangebot aufzubauen“, berichtet Markus Bitter.

Die Senioren-Akademie hat dabei wiederum in die Niederlande geschaut, wo der Gedanke der regional eingebundenen und ortsnahen Tagesbetreuung bereits konsequent umgesetzt wird und Menschen mit Demenz im ländlichen Raum wieder in ihren früheren Lebensalltag geführt werden.

Wieder einfache Tätigkeiten ausüben

Die Idee ist bestechend: Menschen, die ihr ganzes Leben lang auf einem Hof gearbeitet haben, können dann einfache Tätigkeiten wieder ausüben und würden dabei betreut. Der Bezug zu Tieren kann genauso therapeutisch wirken wie die körperliche Betätigung und der strukturierte Tagesablauf. Nichts muss, alles kann – so könnte sich jeder seine „Arbeit“ suchen. Nicht nur Senioren, die betreut werden müssen, könnten von der Idee profitieren. Das Projekt weist auch den Weg, wie landwirtschaftliche Betriebe neue Beschäftigungsfelder finden. Hofstellen könnten so erhalten werden. Auch neue Arbeitsplätze könnten geschaffen werden.

Es gibt Gespräche mit dem Kreis. „Doch es müssen noch ein paar Bretter gebohrt werden“, sagt Markus Bitter, „wir sind als Pflegedienst ja nicht niedergelassen.“ Was wie genehmigungsfähig ist, wird den Betriebshilfsdienst also noch eine Weile beschäftigen, zumal die Pflege sowieso ein sensibles Thema ist. „Wir hoffen, dass wir in einem Jahr weiter sind und den Projektantrag stellen können“, sagt Markus Bitter.

 

Der Landwirtschaftliche Betriebshilfsdienst:

  • Der Landwirtschaftliche Betriebshilfsdienst und Maschinenring Ahaus (BHD) hat 1350 Mitglieder im Nordkreis Ahaus, davon rund 1000 landwirtschaftliche Betriebe.
     
  • 22 Mitarbeiter sind da, die einspringen, wenn auf einem Hof ein Landwirt im Krankheitsfall ausfällt, damit das Vieh weiter versorgt wird oder die Erntearbeiten laufen können.
     
  • Im hauswirtschaftlichen Bereich sind 40 qualifizierte Haushaltshilfen tätig, die für die Ehefrau eines Landwirts einspringen können. Immer häufiger treffen sie auf an Demenz erkrankte Familienangehörige.
     
  • Die Haushaltshilfe wird immer mehr auch im städtischen Bereich, also von Nichtmitgliedern, in Anspruch genommen. Sie macht bereits eine Drittel der Einsätze aus. Markus Bitter: „Wir sind der einzige flächendeckende Haushaltshilfedienstleister.“
     
  • In den neuen Büros im Jutequartier 2-4, Ende Mai bezogen, sind weitere sechs Mitarbeiter beschäftigt.

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