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Flüchtlinge bleiben bei Cramer: Ausbildung siegt über Abschiebung

HEEKEs ist eher ein Anfang als ein Ende, aber nun kann Christoph Potthoff verkünden: „Alles gut.“ Die Flüchtlinge, die bei der Nienborger Firma C. Cramer & Co. einen Ausbildungsplatz zum Maschinen- oder Anlagenführer bekommen sollten (Münsterland Zeitung berichtete), sind aktuell nicht mehr von Abschiebung bedroht. Auf Anfrage der Redaktion bestätigte CCC-Ausbildungsleiter Potthoff: „Nach den Betriebsferien werden sie am 14. August ihre Ausbildung anfangen.“

Ausbildung siegt über Abschiebung
Christoph Potthoff leitet bei CCC den Bereich Ausbildung und zeigt die Urkunden an der Wand. Das Unternehmen wurde bereits mehrfach ausgezeichnet für seine gute Arbeit als Ausbildungsbetrieb. Wenn die Integration der Flüchtlinge durch Ausbildung im Betrieb Erfolg hat, sollen weitere von ihnen die Chance erhalten. Foto: Christiane Nitsche

Wie berichtet, haben drei junge Männer am Projekt „Wir zusammen“ des Nienborger Unternehmens teilgenommen – einer aus Eritrea, zwei aus Afghanistan. Mit allen drei Flüchtlingen hatte der Betrieb nach der Einstiegsqualifizierung Ausbildungsverträge abgeschlossen. Doch der Asylantrag der beiden Afghanen wurde abgelehnt und die Ausländerbehörde legte ihnen entgegen anderslautender Gesetze die freiwillige Ausreise nahe.

Humanismus und Eigennutz

Seniorchef Johannes Cramer machte den Vorgang öffentlich – mit Hinweis auf humanistische Argumente gegen eine Abschiebung.
Aber nicht nur: „Da ist auch ein wichtiger Eigennutz dabei“, sagte er Anfang Mai, als erste Abschiebungen im Kreis Borken für Angst und Schrecken unter seinen Leuten sorgten. Die öffentliche Diskussion und das Interesse der Medien zeigten Wirkung.
„Dann rief die Ausländerbehörde an und sagte, wir bräuchten nichts zu befürchten“, erklärte Christoph Potthoff nun. Zwar ändere sich nichts an der Ablehnung der Asylanträge, „aber für die Dauer der Ausbildung haben die drei jetzt eine Duldung.“ Diese erstrecke sich auch auf zwei weitere Jahre im Anschluss, wenn der Betrieb die Leute übernehme. Potthoff: „Alles, was wir jetzt erreicht haben, ist schon toll.“

Viel investiert

Und auch für die Zeit danach zeigt sich Christoph Potthoff optimistisch. „Mit Stand heute sieht es so aus, dass sie, wenn sie für ihren Unterhalt aufkommen können, Aussicht auf eine Arbeitserlaubnis haben“, sagte der Ausbildungsleiter. Firmenleitung und Belegschaft haben bereits viel investiert, um die neuen Kollegen halten zu können – die Flüchtlinge wurden für Sprachkurse freigestellt, bekamen Zusatzunterricht und Paten an die Seite gestellt.
Auch der Betriebsrat stand voll hinter der Maßnahme. „Das letzte halbe Jahr haben die drei fast nichts anderes gemacht als Deutsch gelernt“, erklärt Christoph Potthoff. Jetzt seien sie „glücklich, aber auch ein bisschen ängstlich“. Denn sie wüssten, dass mit der Ausbildung in der fremden Sprache viele Hürden zu nehmen sind.
Darum haben die drei frisch gebackenen Auszubildenden auch die Gelegenheit genutzt, gemeinsam in eine eigene Wohnung zu ziehen, um eine Wohn- und Lerngemeinschaft zu bilden. Christoph Potthoff: „Jetzt wird es spannend.“

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