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Benefiz-Blumenfeld: Sonnenblumen für Laura

HEEKEin ganzes Feld mit leuchtenden Blütenköpfen erinnert an ein tot geborenes, kleines Mädchen. Pflücken ist erlaubt. Um eine freiwillige Spende für das Kinderhospiz in Olpe wird gebeten.

Sonnenblumen für Laura
Ein ganz besonderer Weg der Erinnerung ist für Familie Hüsing das Sonnenblumenfeld, das sie zum zweiten Mal ausgesät hat. Foto Susanne Menzel

Sie steht im Boden als Synonym des Lebens: Mit einem dunklen und einem hellen Teil im Blütenkopf. Licht- und Schattenseiten gehen ineinander über. Eine Sonnenblume weckt bei dem Betrachter die verschiedensten Gefühle: Fröhlichkeit über die alles überstrahlende Leuchtkraft, mitunter aber auch Wehmut, Schmerz und Trauer über die schnelle Vergänglichkeit. Gefühle, die die Nienborger Familie Hüsing gut nachempfinden kann. In allen Facetten. Elke, Christian, die damals siebenjährige Tochter und der dreijährige Sohn hatten sich im vergangenen Jahr auf die Geburt von Töchterchen und Schwester Laura gefreut. Doch kurz vor der Geburt im Juli, in der 39. Schwangerschaftswoche, kam das kleine Mädchen tot zur Welt.

Ohne Kind nach Hause gekommen

Den Gendefekt Trisomie 18  diagnostizierten die Ärzte bei dem Baby. Ein Schicksal, das Mutter Elke auch heute noch nicht immer in Worte fassen kann. Ein ums andere Mal blickt die 41-Jährige im Gespräch gedankenverloren über das Sonnenblumenfeld. „Christian und ich hatten den Kindern gesagt, dass ich irgendwann ins Krankenhaus muss und wir dann mit einem Baby zurückkommen. Doch nun kam ich alleine wieder. Ohne Kind. Den beiden Großen zu erklären, was geschehen ist, was man selber in dem Moment noch gar nicht begreifen kann, ist schwer. Kinder haben Fragen, auf die sie Antworten möchten. Doch die Antworten hatten wir für uns selber noch nicht gefunden“, versucht sie ihren Zwiespalt in Worte zu fassen.

Es war ein langer, einschwerer Weg, den die Familie gemeinsam gehen musste. Lauras Grab ist ein Ort, den die Eltern täglich besuchen. „Laura wird immer ein Teil von uns bleiben“, sagt Elke Hüsing. „Es wird immer Tage und Anlässe geben, die wir mit ihr verbinden.“ Einen ganz besonderen Weg der Erinnerung haben sie dann im Herbst letzten Jahres mit dem Aussäen von Sonnenblumenkernen auf dem Feld neben ihrem Hof gewählt. Fünf Hektar erstrahlten nach wenigen Wochen im Herbst in einem sonnigen Gelb.

Spenden und kleine Zettel

Am Zugang hatten die Hüsings einen Wasserkanister mit einem daran befestigten, selbst gemalten Transparent aufgestellt: „Die Sonnenblumen sind im Gedenken an Laura. Jeder, der mag, kann sie pflücken. Und vielleicht eine kleine Spende für das Kinderhospiz in Olpe hinterlassen.“ Dieses, so Elke Hüsing, habe man als Adressat nach einem Hinweis durch die damals betreuende Hebamme ausgewählt: „Laura hätte nur eine Überlebenschance von wenigen Tagen oder Wochen gehabt. Nur selten erreichen Kinder mit Trisomie 18 das Jugendalter. Wenn unsere Tochter lebend zur Welt gekommen wäre, hätten wir sie irgendwann in das Hospiz begleiten müssen“, sagt Elke Hüsing.

Viele Feldbesucher haben seinerzeit die Gelegenheit genutzt, nicht nur Blumen zu pflücken, sondern auch eine kleine Spende zu hinterlassen. „So manch einer hat auch einen Zettel dazu gelegt. Vermutlich hatte man ihn im Auto gefunden. Und darauf geschrieben, dass es eine schöne Aktion sei. Das hat uns ein Stückchen Mut gemacht. Mut, den uns auch viele andere gegeben haben, die wir auf unserer Reise seit Lauras Tod kennengelernt haben. Die uns begleiteten und uns Verständnis entgegen gebracht haben. Es tut gut, dass man nicht alleine mit seiner Geschichte ist und Anlaufstellen hat, bei denen man aufgefangen und unterstützt wird.“

"Dieser Ort hier ist doch etwas Besonderes"

Die Sonnenblume als Sinnbild für ein strahlendes Kindergesicht – sie steht in diesem Jahr wieder in der Bauerschaft Wext, nur dieses Mal nicht am Hof der Familie, sondern gleich neben der Natostraße in Richtung Metelen. Mit derselben Intention, mit dem gleichen Anliegen, mit der Bitte um eine Spende für das Olper Kinderhospiz. „Es gibt vieles, das uns an unser Kind erinnert“, meint Elke Hüsing leise. „Aber dieser Ort hier ist doch etwas Besonderes.“ Täglich kommen sie und ihr Mann Christian, oft auch die beiden älteren Kinder, hierher. Während der Vierjährige munter im Feld spielt und sich selbst einige Blumen pflückt, seine Schwester den nebenan stehenden Pferden einen Besuch abstattet, steht Elke Hüsing ein wenig abseits am Feldrand. Ihr Blick schweift über das Blütenmeer hinauf zum wolkenverhangenen Himmel. „In diesem Herbst werden die Sonnenblumen vermutlich nur kurz blühen. Sturm und Regen werden sie schnell abknicken lassen“, vermutet sie. Sie atmet tief durch. Doch selbst wenn sie nur wenige Tage ihre Pracht entfalten: Sie strahlen. Bis zum Himmel hinauf. Für Laura.

Hintergrund

Bei der Trisomie 18, dem Edwards-Syndrom, liegt das 18. Chromosom dreifach vor. Es verursacht Behinderungen und körperliche Besonderheiten, die nicht heilbar sind. Vielfach sterben Kinder mit diesem Gendefekt schon während der Schwangerschaft. Ihre Lebenserwartung nach einer Geburt wird in der Medizin mit etwa sechs Tagen angegeben.Die Genommutation Trisomie 18 ist die Zweithäufigste nach der Trisomie 21, dem so genannten Down-Syndrom.

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