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Video-Rettung: Unterwegs mit Dortmunds Höhenrettern

HÖRDEMüssen Menschen aus extremen Höhen oder Tiefen gerettet werden, kommen sie zum Einsatz: die Höhenretter der Dortmunder Feuerwehr. Doch wie fühlt es sich an, sein Leben in ihre Hände zu legen? Unser Reporter hat den Selbstversuch gewagt - und sich bei einer Übung auf Phoenix-West abseilen lassen.

Unterwegs mit Dortmunds Höhenrettern
Unser Reporter Peter Bandermann hat sich von den Höhenrettern der Dortmunder Feuerwehr abseilen lassen. Foto: Dieter Menne

Als die Berghoferin Monika Rieger Ende Juli unserer Redaktion von ihrer Seilbahnfahrt über dem Kölner Rhein berichtete, schimmerte ihre Höhenangst mit durch. Nach einem Defekt musste die Berghoferin an ihrem 41. Hochzeitstag von der Feuerwehr aus der Kabine befreit werden. Höhenangst – wie fühlt sich das an? Ein Selbstversuch, der gescheitert ist.

Mittwoch, 14 Uhr an der Feuerwache 4 in Hörde. Die Höhenretter sind wieder im Einsatz. Sie fahren eine ganz normale Schicht und müssen zu Bränden oder Unfällen ausrücken. Sobald gefährliche Höhen und Tiefen zu überwinden sind, ist ihr Spezialwissen gefragt.

 

Video: Hier wird ein Reporter gerettet:

 

An diesem Mittwoch steht ein Übungseinsatz auf dem Plan. In dem 1998 ausgemusterten Hochofen auf Phoenix-West in Hörde, der unter Denkmalschutz steht und als verwinkelte Anlage mit mindestens 65 Höhenmetern ein anspruchsvolles Retter-Revier ist.

Der Aufzug ist längst ausrangiert. Also geht es zu Fuß rauf auf die Aussichtsplattform. Allein die über 200 Meter langen Seile wiegen jeweils 30 Kilogramm. Dazu kommen Karabinerhaken, Seilwinden, Rucksäcke und andere schwere Ausrüstungsgegenstände, die für die sichere Arbeit in Höhen und Tiefen nicht am Boden bleiben dürfen.

Die Höhenangst, sie will nicht kommen

Einzig der orangefarbene Schleifkorb – die Trage, in der ein Patient abtransportiert wird – bleibt zunächst unten und wird später über eine Seilwinde hochgezogen. Der Wind pfeift durch den Hochofen, was die Abseilaktion zu einer wackeligen Aktion werden lassen soll.

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So trainieren die Höhenretter der Feuerwehr

Aber die Höhenangst, sie will nicht kommen. Die Berghoferin Monika Rieger hätte von einem Notarzt venös ein Mittelchen für mehr Gleichgültigkeit gegen die Angst verabreicht bekommen, aber der Reporter muss da jetzt durch, will da jetzt durch und beobachtet die Höhenretter, die den Eindruck erwecken, dass man ihnen die Augen verbinden könnte und sie trotzdem funktionieren würden. Das Experiment ginge dann doch zu weit.

Jeder Griff sitzt

Tatsächlich: Jeder Handgriff sitzt. „Höhenretter“, das ist an diesem Mittwochnachmittag ein Synonym für Präzision und Kommunikation. Sven Sieberg, das ist der Name des Feuerwehrmanns, der in 65 Metern über dem Hochofen-Fundament über das Geländer klettern und den Patienten an einem Seilsystem schwebend sicher auf den Boden der Tatsachen führen wird.

Seelenruhig berichtet Sven, dass er ausgebildeter Mechatroniker und schon länger Feuerwehrmann, aber erst seit Anfang des Jahres bei den Höhenrettern ist. Ein Neuling im Schwebezustand? Immer noch keine Akrophobie, also Höhenangst. „Ich vertraue mein Leben den Kollegen an. Auf dieses Team kann man sich verlassen“, sagt er in einer Tonart, in der wir „Schönes Wetter heute“ sagen.

Der Mann strahlt eine Ruhe aus, die an Hypnose grenzt

Guido Feger, der schon seit 1997 Mitglieder dieser Feuerwehr-Spezialeinheit und nebenbei auch noch Spezialbaumfäller und Gleitschirmflieger ist, hätte ja auch den Reporter abseilen können, weil er als Dienstältester der Erfahrenste im Team ist. Der Mann strahlt eine Ruhe aus, die an Hypnose grenzt. Was im Ernstfall extrem wichtig ist. Um unter Schock stehende oder in Panik geratene Patienten zu beruhigen.

Höhenangst ist eine unangemessene Reaktion auf eine vermeintliche Gefahr. Das Gehirn meldet nach dem Blick in die Tiefe einen drohenden Kontrollverlust. Der hier nicht eintritt. „Eins, zwei, drei“ – mit vereinten Kräfte hieven die Höhenretter den Patienten-Korb aufs Geländer, um ihn vorsichtig ins Freie zu heben.

Kopfüber geht es hinab. Ein Blick zur Seite lässt jetzt 65 Meter tief blicken. Das Gefühl, in sicheren Händen zu sein, war noch nie so stark. Während der Seilfahrt am Hochofen bricht der Funkkontakt. Sven Sieberg lächelt.

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