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Westfalenhütte: Was Sie zum neuen Amazon-Logistikzentrum wissen müssen

DORTMUNDMontag in einer Woche (16.10.) nimmt der Online-Versandhändler Amazon das Logistikzentrum auf der Westfalenhütte in Betrieb. Wir fassen vorab zusammen, was dort geschieht - und wieso Verdi die Amazon-Löhne gar nicht toll findet.

Was Sie zum neuen Amazon-Logistikzentrum wissen müssen
In diesen Tagen rollen bei Amazon auf der Westfalenhütte noch die Bagger, um die letzten Bauarbeiten auszuführen. Ab dem 16. Oktober sollen dann die Förderbänder rollen, das Logistikzentrum nimmt rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft den Betrieb auf. Foto: Stephan Schütze

Für den US-Konzern ist das Dortmunder Logistikzentrum bereits das zehnte in Deutschland. Wir beantworten wichtige Fragen zum Start, nennen noch einmal Zahlen und Größenordnungen und erklären die Verdi-Kritik.

Was macht Amazon auf der Westfalenhütte?

Von hier werden keine Endkunden mit Paketen beliefert. Amazon versendet von Dortmund Artikel an seine anderen Lager, erst von dort aus gelangen sie zum Kunden.

Wie viel hat Amazon investiert?

Amazon investiert rund 27 Millionen Euro in die Technik des Logistikzentrums. Gemeint ist die erste Halle mit 45 000 Quadratmetern Fläche, das entspricht mehr als sechs Fußballfeldern. Nebenan steht aber noch ein weiteres Gebäude, 30 000 Quadratmeter Fläche. Dessen Inbetriebnahme „ist für nächstes Jahr geplant“, teilte am Donnerstag Amazon-Pressesprecherin Antje Kurz-Möller auf Anfrage mit. Eigentümer der Hallen ist indes nicht Amazon, sondern das Hamburger Unternehmen Garbe Industrial Real Estate. Es hat 59 Millionen Euro in den Bau der ersten Halle samt Erschließung sowie 34 Millionen in Halle zwei gesteckt.

Mit wie vielen Mitarbeitern startet Amazon?

Los gehe es mit 300 Mitarbeitern, die trainiert und angelernt würden, sagt Kurz-Möller. Wöchentlich oder 14-tägig kämen neue Teams hinzu. Wie berichtet, will Amazon Ende des Jahres 1500 Beschäftigte in Dortmund haben. Über 7000 Menschen hatten sich beworben, in den vergangenen Wochen nahmen in den Räumen der Arbeitsagentur Dortmund über 3000 Menschen an Castings für Jobs bei Amazon teil.

Aus Werne, wo Amazon bereits ein Logistikzentrum betreibt, wechseln 150 Mitarbeiter, darunter auch Fach- und Führungskräfte, nach Dortmund, um den Aufbau zu betreuen. Der bisherige Leiter des Werner Amazon-Lagers, Lars Krause (Foto), übernimmt die Leitung in Dortmund.

Anfang wurde an mehreren Amazon-Standorten gestreikt. Ist das auch für Dortmund zu erwarten?

„Wir tragen den Arbeitskampf nicht in den Betrieb hinein“, sagte am Freitag Verdi-Gewerkschaftssekretär Karsten Rupprecht: „Wir reagieren erst, wenn sich Menschen an uns wenden, die mit ihren Arbeitsbedingungen unzufrieden sind.“ Und das sei eben an anderen Standorten des US-Unternehmens in Deutschland bei vielen Mitarbeitern der Fall.

Was sagen Mitarbeiter zu den Arbeitsbedingungen bei Amazon?

Das kommt darauf an, wen man fragt. Ende 2016 lud Amazon zum „Medientag“ an den Standort Rheinberg. Zahlreiche, auch langjährige Lager-Mitarbeiter äußerten sich zufrieden zu ihrem Arbeitsalltag bei Amazon – ohne, dass ein Vorgesetzter daneben gestanden hätte.

Auf der anderen Seite berichtet Verdi-Mann Rupprecht aus Gesprächen mit Amazon-Mitarbeitern aus Werne, die über mangelnde Wertschätzung („Ich werde behandelt wie Dreck“), einen hohen Arbeitsdruck durch tägliche persönliche Vorgaben und Befristungen klagen. „Es ist nicht zu erkennen, wer entfristet wird und wer nicht.“

Die im Dortmunder Logistikzentrum neu Beschäftigten erhalten zunächst nur Verträge bis Ende des Jahres. Man gehe aber davon aus, sagt Sprecherin Kurz-Möller, „dass der allergrößte Teil der Mitarbeiter auch ab 1. Januar bei uns beschäftigt sein wird“.

Worum geht es Verdi?

Verdi fordert zuvorderst, dass Amazon sich dem Tarifvertrag des Versand- und Einzelhandels anzuschließen. Dieser sieht das Einstiegsgehalt für Mitarbeiter bei 13,87 Euro in der Stunde. Amazon hingegen zahlt seinen Lagerkräften als Einstiegsgehalt derzeit 10,79 Euro. Das liegt über dem gesetzlichen Mindestlohn von 8,84 Euro und sei ein guter Lohn, sagte zuletzt unter anderem Dortmunds Arbeitsagentur-Chefin Martina Würker. Zumal Amazon auch viele Ungelernte einstellt.

Das lässt Rupprecht nicht gelten und sagt: „Wenn wir davon sprechen, dass prekäre Beschäftigungsverhältnisse zunehmen, kann ich nicht den Mindestlohn als Referenz heranziehen und von einem tollen Gehalt sprechen.“
Vieles, sagt Rupprecht, habe sich bei Amazon schon verbessert – Verdi werde an dieser „Baustelle“ dranbleiben.

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Kommentare
  • Verkehrsplanung ? Fehlanzeige !
    von cyberoffice am 07.10.2017 22:14 Uhr

    Der Verkehr wird eher kriechen, denn er läuft schon jetzt tagsüber eher schleppend. Erste Verkehrskonzepte für die Westfalenhütte wurden schon vor über zehn Jahren zu Papier gebracht. Leider ist danach nicht viel passiert.

  • Wie viel Lkw-Verkehr wird das Lager bedeuten?
    von motte am 07.10.2017 21:24 Uhr

    Wenn ich es richtig verstanden habe werden in dem Lager nur Paletten von Lieferanten angeliefert und auf ander Läger verteilt. Rechnet man 1/3 Verkehrsfläche ab sind 30.000 qm reine Lagerfläche. Diese bedeuten bei einem automatisch betriebenen Lager ca. 20.000 Bodenplätze, bei geschätzten 5 Ebenen 100.000 Pal. Lagerpotential. Ein voll ausgelasteter Lkw fasst 68 Paletten, wir sprechen also von 1.470 Lkw-Ladungen Fassungsvermögen. Gesamt für Be- und Entsorgung also fast 3.000 Lkw Bewegungen. Rechnet man mit einer Umschlagszeit von 5 Tagen wären das 600 Lkw-Fahrten (sicherlich sehr theoretisch angesetzt, aber nicht ganz abwegig). Soll dieser ganze Verkehr über die B236 und Brackeler Str. laufen?

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