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Spiel BVB - RB Leipzig: Polizei: Null Toleranz gegen gewalttätige Fans

DORTMUNDNach den Ausschreitungen im Februar wollen die Dortmunder Polizei und Borussia Dortmund beim nächsten BVB-Heimspiel gegen RB Leipzig erneute Gewalt gegen friedliche Fans und Polizisten verhindern. Die Polizei kündigt eine Null-Toleranz-Strategie an und verweist auf hohe Geldstrafen.

Polizei: Null Toleranz gegen gewalttätige Fans
Beim BVB-Spiel gegen RB Leipzig im Februar 2017 gab es Ausschreitungen und Angriffe auf Leipzig-Fans und Polizisten. Archivfoto: Ingo Hahne / dpa

In der Fußball-Bundesliga-Rückrunde der Saison 2016/2017 hatte eine große Gruppe von BVB-Fans auf der Strobelallee vor dem Stadion Rote Erde friedliche Leipziger Fans und Polizisten beleidigt, bedroht und angegriffen. Die Polizei wertete 170 Stunden Video-Rohmaterial sowie Fotos aus und leitete 168 Strafverfahren ein. 66 Tatverdächtige konnte die Ermittlungskommission "Strobel" identifizieren. Inzwischen hat die Justiz elf Strafbefehle erteilt, fünf davon sind bereits rechtskräftig. Einer der Täter, der einen Strafbefehl wegen massiven Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte erhalten hat, ist ein Bundeswehrsoldat. 

  • Drei Fälle wegen Beleidigung: 800, 900 und 1000 Euro Geldstrafe
  • Ein Fall wegen Körperverletzung: 1000 Euro Geldstrafe
  • Ein Fall wegen Widerstands: 3600 Euro Geldstrafe

40 Stadionverbote wurden ausgesprochen

"Das sind hohe Summen, die hoffentlich ihre abschreckende Wirkung nicht verfehlen", sagten Dortmunds Polizeipräsident Gregor Lange und Einsatzleiter Ed Freyhoff am Mittwoch, vier Tage vor dem Anpfiff des nächsten BVB-Heimspiels gegen RB Leipzig (Samstag, 18.30 Uhr) mit 3000 Gästefans.

Nach den Ereignissen vom 4. Februar 2017 reiche es nicht aus, "Empörung zu zeigen", sagte Dortmunds Polizeipräsident Gregor Lange. Die Strafbefehle seien rechtzeitig vor dem Anpfiff ausgesprochen worden. Dazu kommen rund 30 Stadionverbote, die Borussia Dortmund bundesweit hat erwirken können und lokal selbst ausgesprochen hat. "Dafür sind wir Borussia Dortmund sehr dankbar", sagte Lange. Gegen 19 Straftäter hat die Polizei "Bereichsbetretungsverbote" für diesen Samstag verhängt. Wie schon bei Derbys gegen Schalke.

Am 4. Februar 2017 sei "die Lage schon weit vor Spielbeginn eskaliert", sagte Polizeisprecherin Cornelia Weigandt. Damals habe niemand erwarten können, dass Dortmunder Fans mit Tritten, Schlägen und Wurfgeschossen Verletzungen bei Gästefans und Polizisten verursachen würden. "Da sind Mülltonnen geflogen", berichtete die Polizeihauptkommissarin im Rückblick, während sie in einem Konferenzraum des Dortmunder Polizeipräsidiums die Fotos von aufgebrachten Fans zeigte.

Den Begriff "Fan" relativierte Polizeipräsident Gregor Lange mit Blick auf die Einsatztaktik am Samstag: "Wir werden Stadionbesucher vor Übergriffen von Personen schützen, die als Chaoten und Krawallmacher unterwegs sind und den Titel Fan nicht verdienen. Wir werden fein säuberlich unterscheiden zwischen Fans, die den Schutz der Polizei in Anspruch nehmen dürfen, und solchen Personen, die Straftaten begehen wollen."

"Eine sehr aktive Polizei"

Einsatzleiter Ed Freyhoff verweist auf die hohen Geldstrafen schon für einfache Beleidigungen beim letzten BVB-Heimspiel gegen Leipzig und kündigt an, dass die Polizei "Provokationen im Keim ersticken werde." - "Wer Gäste anpöbeln oder angreifen will, wird eine sehr aktive Polizei erleben. Wir haben auch schon über Dinge hinweg sehen können, aber dieses mal ist die Schwelle, an der wir einschreiten, extrem niedrig."

In Gesprächen habe Borussia Dortmund angekündigt, auch im Stadion konsequent gegen Störer vorgehen zu wollen. "Wer meint, sich im Stadion daneben benehmen zu müssen, muss damit rechnen, rauszufliegen", heißt es seitens der Polizei, die BVB-Ordner unterstützen werde, wenn Anlass dazu bestehe. Borussia Dortmund erhöht die Zahl seiner Ordner und führt sehr intensive Kontrollen durch. Fans sind aufgefordert, frühzeitig anzureisen, um Wartezeiten an den Eingängen zu vermeiden. 

Borussia hatte beim Deutschen Fußballbund 16 bundesweite Stadionverbote veranlasst und 15 örtliche Stadionverbote ausgesprochen. In einem Fall mit einem beleidigenden Transparent gilt das Stadionverbot drei Jahre.

Keine Gespräche mit BVB-Ultras

Weit vor dem Anpfiff stehen Dortmunder Ultragruppen im Fokus der Polizei. Sie würden mit großem Aufwand beobachtet. Freyhoff nannte die Namen "The Unity" und "Jubos". Es sei jedoch nicht fair, ausschließlich Mitglieder dieser Gruppen als Verantwortliche für die Ereignisse vom 4. Februar zu nennen: "Da waren auch Fans beteiligt, die nicht zu diesen Gruppen gehören und sich dann haben mitreißen lassen."

Gespräche hatte die Polizei in den vergangenen Tagen mit dem BVB, RB Leipzig, der Stadt Dortmund, dem Fanprojekt und der BVB-Fanabteilung geführt, jedoch nicht mit den Ultragruppen. "Gespräche mit Ultragruppen sind von unserer Seite aus gewünscht. Aber Kommunikation setzt Zweiseitigkeit voraus", sagte Ed Freyhoff. Die Stadt Dortmund, beide Bundesliga-Vereine und die Polizei würden an einem Strang ziehen - "und zwar in eine Richtung". Die Erwartung von RB Leipzig, dass Mannschaft und Fans unversehrt an- und abreisen können, sei deutlich spürbar gewesen.

Die Polizei hat die Zahl der Einsatzkräfte verdoppelt, sie will aber keine konkreten Angaben machen. "Es sind längst nicht so viele wie bei einem Derby", stellte Ed Freyhoff klar, denn die massive Gewalt sei von einer Seite ausgegangen. Beim Derby müssen die Polizei stets mit Gewalt von zwei Seiten rechnen.

Fanprojekt rechnet mit kreativem Protest

Das Dortmunder Fanprojekt rechnet nicht mit Randale. "Die Fans haben aus dem letzten Spiel gelernt", sagte Thilo Danielsmeier vom Vorstand. Er rechne mit einem "kreativen Protest", doch der werde wohl nicht unter die Gürtellinie gehen. Im Mittelpunkt stehe der Sport. Danielsmeier: "Es ist ein wichtiges Spiel, um Platz 1 zu festigen." Unter den Fans seien die Ereignisse "nicht mehr so ein Wahnsinns-Thema" wie in der zurückliegenden Saison.

Die Stadt Dortmund hat Leipziger Fans, die von der Gewalt betroffenen waren, ins Ratshaus am Friedensplatz eingeladen. Dortmunds Oberbürgermeister Ullrich Sierau sagte, dass das "beschämende Verhalten einiger Chaoten" durch nichts wiedergutzumachen sei. Die Einladung zu einem Empfang im Rathaus und ins Stadion sei eine "Geste der Gastfreundschaft", um ein Zeichen für die Fußballkultur zu setzen. Eingeladen wurden nur Betroffene von Straftaten, jedoch nicht "hunderte von Fußballanhängern", die auf Steuerzahler-Kosten versorgt würden - so wurde es im Internet behauptet.

Die Polizei ermittelte nach den Ausschreitungen vom 4. Februar 2017 wegen Körperverletzung und gefährlicher Körperverletzung (107 Fälle), Beleidigung (17), Raub (15), öffentlicher Aufruf zu Straftaten (7), Landfriedensbruch (5), Diebstahl (5), Widerstand (4), Verstoß gegen das Sprengstoffgesetz (3), Sachbeschädigungen (3) und Bedrohung (2).

 

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Kommentare
  • Nicht nur die Quote ist schlecht
    von Russell am 12.10.2017 15:30 Uhr

    Auch der Umgang mit den Ultragruppen. Die Hirarchie innerhalb der Gruppe scheint noch immer ein Problem für die Sicherheitskräfte zu sein.
    Einzelne Gruppen können sich fast alles raus nehmen.
    Es wirkt jedenfalls nach außen nicht so, als hätte im Umgang mit den Ultras die Polizei das Sagen.

  • 168 Strafverfahren, 5 Rechtskräftig.
    von ralfn am 11.10.2017 14:12 Uhr

    Die Quote ist grandios schlecht. Genauso wie die Selbstreflexion der Dortmunder Polizei. Damals konnte man im Internet sich die Marschroute der RB Fans runterladen. Der Marschroute entlang standen keinerlei Polizisten die aufkommende Provokationen im Keim erstickt hätten. https://www.youtube.com/watch?v=wN2rW-i2rJ4

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