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Antirassismus als Staatsraison: Schalker Fan-Initiative erhält Julius-Hirsch-Preis

GELSENKIRCHENMehrfach hatte sie sich beworben, jetzt hat es geklappt: Die Schalker Fan-Initiative erhält die wohl renommierteste Auszeichnung, die man für seine Arbeit in diesem Bereich erhalten kann: den Julius Hirsch-Preis. Und zwar für ihren Einsatz für Demokratie, Menschenrechte und den Schutz von Minderheiten.

Schalker Fan-Initiative erhält Julius-Hirsch-Preis
Das Bild zeigt die Dreharbeiten zum neuen Filmprojekt. Foto: Fan-Initiative

Die Ehrung findet am Samstag in Karlsruhe statt. Mit dem Julius-Hirsch-Preis würdigt der DFB seit 2005 Menschen und Organisationen, die sich mit den Mitteln des Fußballs für Demokratie, Menschenrechte sowie den Schutz von Minderheiten einsetzen. Weitere Preisträger sind der Leipziger Verein „Tüpfelhausen – Das Familienportal“ und das internationale Frauenfußball-Turnier „Discover Football“ in Berlin. Namensgeber ist der deutsche Nationalspieler, der als Jude im März 1943 von den Nationalsozialisten nach Auschwitz-Birkenau deportiert und ermordet wurde.

 "Freuen uns sehr über diese Auszeichnung"

„Wir freuen uns sehr über diese Auszeichnung“, sagte Sven Schneider. Das langjährige Vorstandsmitglied gehört zum Kernteam des selbstständigen Vereins, der rund 350 Mitglieder hat. 2006 wurde bereits das Jugendbildungsprojekt der Fan-Initiative „Dem Ball ist egal, wer ihn tritt“ ausgezeichnet. Diesmal würdigt die Ehrung die gesamte Arbeit der Fan-Initiative. Und in diesem Jahr hat die Schalker Fan-Initiative gleich doppelten Grund zur Freude, denn sie feiert Geburtstag: Vor 25 Jahren wurde sie nach den fremdenfeindlichen Anschlägen auf mehrere Asylbewerberheime gegründet. 

„Beim Anschlag in Solingen wurde im Fernsehen einer der Täter in voller Schalke-Montur gezeigt. Das war ein wesentlicher Anstoß, sich zu engagieren. Hinzu kamen fremdenfeindliche Rufe aus den Fankurven, nicht nur, aber auch auf Schalke“, erzählte Schneider.

Neue Satzung im Jahr 1994

Nun suchte auch Schalke mit dem damaligen Manager Rudi Assauer das Gespräch mit der Fan-Initiative, die zuvor vom Hauptverein eher kritisch beäugt worden war. Eine wesentliche Konsequenz dieser Zusammenarbeit war Schalkes neue, moderne Satzung vom Dezember 1994, die eine Vorreiterrolle im Kampf gegen den Rassismus darstellte. 

Fremdenfeindliche Aussagen können seitdem zum Vereinsausschluss führen. Der Antidiskriminierungsparagraf in der Vereinssatzung wurde zuletzt in der Mitgliederversammlung des Jahres 2014 erweitert. Darin heiß es nun: 
Der Verein „tritt rassistischen, verfassungs- und fremdenfeindlichen Bestrebungen sowie Diskriminierungen und menschenverachtenden Verhaltensweisen gegenüber anderen Menschen, insbesondere aufgrund ihrer Nationalität, ethnischer Zugehörigkeit, Religion, Geschlecht, sexueller Orientierung oder Behinderung aktiv entgegen.“

Schalker Leitbild

Passend dazu heißt es unter Punkt acht des Schalker Leitbildes: „Von uns Schalkern geht keine Diskriminierung oder Gewalt aus. Wir zeigen Rassismus die Rote Karte und setzen uns aktiv für Toleranz und Fairness ein.“ An jedem Heimspieltag ist der Fanladen der Fan-Initiative auf der Schalker Meile an der Berliner Brücke in Gelsenkirchen geöffnet. „Wir haben viele Mitglieder auch aus anderen Fanclubs, die sich der Sache wegen auch bei uns engagieren“, erläuterte Schneider. Die Fan-Initiative kämpft auch gegen die zunehmende Kommerzialisierung des Profifußballs und setzt sich dafür ein, dass in der Veltins-Arena auch zukünftig genügend Sitzplätze zur Verfügung stehen.

„Bei den großen Schalker Fanorganisationen ist Antirassismus zur Staatsraison geworden. Schwieriger ist es außerhalb der Stadien, wo keine Kameras sind“, betonte Schneider. Deshalb richtet die Initiative immer wieder Aktionen aus wie vor einigen Jahren „Schalker gegen Nazigesänge“, wo sich Jermaine Jones und Heiko Westermann für Zivilcourage beim Singen des berüchtigten „U-Bahn-Liedes“ engagierten. „Angesichts der Wahlergebnisse, insbesondere des starken Zuwachses der AfD, heißt es wachsam zu bleiben. Das kann man nicht von oben verordnen, das muss aus der Fanszene kommen“, betonte Schneider.

Neues Filmprojekt mit Asamoah

Am 15. Oktober wird das neueste Filmprojekt der Initiative in Zusammenarbeit mit dem mit Eduard-Spranger-Berufskolleg und dem DGB-Haus in Gelsenkirchen aufgeführt. Jugendliche Flüchtlinge spielen eine fiktive Schalker Nachwuchsmannschaft, die unter Gerald Asamoah trainiert. Als sie vom Satz des AfD-Vorsitzenden Alexander Gauland erfahren („Niemand will Boateng als Nachbar haben.“), gibt Asamoah die Losung aus: „Dem zeigen wir es jetzt. Wir werden die deutscheste aller Mannschaften.“ Und dabei tragen die Spieler einen Satz auf ihren Trikots, den die Fan-Initiative immer beherzigt hat: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“

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