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Das BVB-Interview: Sechser Julian Weigl: "Ich bin kein Küken mehr"

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Sie haben sicher auch während Ihrer Verletzungspause und vergangene Woche die Länderspiele gesehen. Wie eng ist der Kontakt zum DFB?

Ich stehe in engem Kontakt mit Co-Trainer Markus Sorg. Oliver Bierhoff hat zu meinem Geburtstag angerufen. Mit Bundestrainer Joachim Löw habe ich nicht persönlich gesprochen. Aber der Kontakt ist insgesamt schon eng.

 

Bei der EM 2016 durften Sie mit reinschnuppern. Wie sehen Sie Ihre Perspektiven für die WM 2018?

Das ist natürlich ein Fernziel, ganz klar. Wer wie ich bei einem Turnier dabei war, wenn auch ohne Einsatz, der will beim nächsten Turnier wieder mitfahren. Ich war vor meiner Verletzung auf einem sehr guten Weg und wurde immer eingeladen zu den Länderspielen. Ich habe meine Chancen bekommen und auch mal von Beginn an gespielt. Das Feedback war ganz gut vom Bundestrainer. Da kam die Verletzung zum ungünstigen Zeitpunkt. Aber bis zur WM ist noch genug Zeit für mich. Ich bin jetzt fit, wir stehen noch am Anfang der Saison. Die oberste Priorität ist, gesund zu bleiben und zu spielen. Um in die Nationalmannschaft zu kommen, muss ich Top-Leistungen bringen.

Das eine bedingt das andere, oder?

Gerade auch im zentralen Mittelfeld ist der deutsche Kader herausragend gut besetzt. Ich habe schon 2016 gesagt, dass es keine Schande ist, auf der Bank zu sitzen, wenn man sieht, wer da alles vor einem spielt. Ich würde 2018 gerne mitfahren, aber es ist noch zu früh, um da eine Tendenz zu sehen. Andere, wie zum Beispiel mein Kumpel Jo Kimmich, der immer gesund war und gespielt hat, haben vielleicht auf ihrer Position einen Vorteil.

 

Gutes Feedback gab es auch von ganz großen deutschen Stars. Bastian Schweinsteiger hat Ihnen gesagt, Sie dürften ruhig mal etwas böser werden auf dem Platz ...

(lacht) Ja, das hat er mir damals geschrieben. Er schaut öfter unsere Spiele. Er spielt jetzt in Chicago, wo die Familie meiner Freundin (Sarah Richmond, d.Red.) herkommt, da haben wir immer mal wieder Kontakt. Für ihn freue ich mich, dass er nach der schwierigen Zeit in Manchester wieder Spaß hat und geschätzt wird. Das hat er sich auch verdient.

 

… und der böse Julian?

Ich kann mir ja nicht vor dem Spiel vornehmen, dass ich diesmal böse bin. Aber ich bin auch kein kleines Küken mehr wie mit 19 Jahren, als ich zum BVB kam. Ich darf dem Schiedsrichter oder dem Gegenspieler auch mal meine Meinung sagen. Und auch in der Mannschaft merke ich, dass mein Wort etwas wert ist – auch ohne jemand anzuschreien, um böse zu wirken.

… ein Arturo Vidal werden Sie nicht mehr.

Nein, da wäre ich auch nicht authentisch.

 

Als Sven Benders Abschied im Sommer feststand, hat Sportdirektor Michael Zorc ungefragt Ihren Namen genannt als einen derjenigen, die in der Hierarchie nachrücken und Verantwortung übernehmen sollen.

Ich bin jetzt auch im Mannschaftsrat und versuche, in die entsprechende Rolle hineinzuwachsen. Vielleicht gerade weil wir viele junge Spieler haben, kann ich ein gutes Bindeglied sein, weil ich mit den Jungen gut kann, aber auch mit den älteren Spielern. Ich bringe mich ein, wenn das gefragt ist.

 

In sozialen Netzwerken gewähren Sie viel Einblick in ihr Leben. Die Fans durften sogar über Ihre neue Brille mit abstimmen. Wie kam es dazu?

Dafür habe ich mir auch viel Spott anhören müssen (lacht). Ich gehöre zu einer Generation, die mit Social Media großgeworden ist und das auch viel nutzt. Für mich ist es daher nichts Außergewöhnliches, dass ich Einblicke in mein Leben biete, aber natürlich auch nur bis zu einem gewissen Grad.

 

Die Fans honorieren das auch, oder?

Ja. Ich bekomme da gutes Feedback. Bei der angesprochenen Brille gab eine große Resonanz. Viele haben sich gemeldet und Gedanken gemacht. Ich habe aber keine runde Brille gewählt, nur weil die Mehrzahl der Fans sich dafür ausgesprochen hat.

 

Sie sind ein außergewöhnlich eloquenter Profi. Woher kommt das?

Ich wurde bei 1860 München mit 18 Jahren als Kapitän ins kalte Wasser geworfen, musste nach dem Training ohne Pressesprecheralle möglichen und unmöglichen Reporterfragen beantworten. Vieles war da „Learning by doing“. Grundsätzlich kann ich mich schon ausdrücken, war in der Schule in Deutsch auch ganz gut. Gewisse Sachen lernst du dann aus den Interviews selbst. Ich möchte immer ich selbst sein.

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