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Hansa-Zentrum: Shoppingcenter-Sanierung in Bottrop wird zur Posse

BottropEin in die Jahre gekommenes Einkaufscenter in Bottrops Innenstadt soll saniert werden. Ein Investor für die Sanierung ist recht zügig gefunden, doch dann gerät das Projekt völlig aus den Fugen und entwickelt sich für die Kommune zu einem Albtraum, aus dem es bis heute kein Erwachen gibt

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  • Shoppingcenter-Sanierung in Bottrop wird zur Posse
    Das neue Hansa Center wird seit zehn Jahren einfach nicht fertig. Foto: Fabian Paffendorf

1979 beginnt der Bau für Bottrops Shopping-Mall, das Hansa-Zentrum am Berliner Platz. Errichtet wird das rund 30 Millionen D-Mark teure Center auf dem ehemaligen Areal der Brauerei Jansen und der Brotfabrik Allermann. Bereits im November 1980 öffnen auf den 8150 Quadratmetern Gewerbefläche erste Läden im Center, weitere dann im Mai 1981 als Bottrop die offizielle Eröffnung der modernen Handelsimmobilie feiert.

Das Haus, das unter seinem Dach 40 Geschäfte, Gastronomie und später auch Arztpraxen vereint, ist zunächst ein Kundenmagnet. Dessen Wirkung schwindet allerdings im Laufe der Jahre. Immer neue Leerstände im Center signalisieren der Kommune zu Beginn der 2000er-Jahre Handlungsbedarf. Als 2007 großflächige Sanierungsarbeiten in Bottrops City beginnen, wird auch ein Investor für das Hansa-Zentrum gesucht, der die Immobilie durch einen Umbau und neue Vermietungen wieder attraktiver machen soll. Denn der einstige Shopping-Center-Star gilt nunmehr in der Bevölkerung als Einkaufsruine.

Immobilie wird 2008 zwangsversteigert

Die Arbeiten am neuen Berliner Platz, der zum modernen Busbahnhof und Standort eines Großbaus des Vollsortimenters Kaufland wird, laufen auf Hochtouren - doch für das immer weiter schwächelnde Hansa-Zentrum findet sich aufgrund der Weltwirtschaftskrise kein Investor. Im Oktober 2008 kommt es zur Zwangsversteigerung der Immobilie.

Für 13,5 Millionen Euro erhält die Redos Real Estate GmbH Hamburg den Zuschlag, als Eigentümerin wird die neu gegründete Projektgesellschaft Apollo-Redos Development Fund Projekt Bottrop GmbH eingesetzt. Als Investor tritt die Apollo Real Estate Advisor aus der Real Estate-Gruppe auf. Der Eigentümerwechsel wirkt sich zeitnah nicht merklich auf den maroden Zustand des Hansa-Zentrums aus.

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Ärger um das Hansa-Zentrum Bottrop

Zwei Monate später gibt es dann aber doch etwas Neues zu erfahren: Ein Sprecher der Projektgesellschaft verrät, dass sich der Beginn der Sanierung des Centers wohl aufgrund der Situation auf den Kapital- und Finanzmärkten verzögern wird. Konkret benennt er das Jahresende 2009 als Startzeitraum für die umfassenden Sanierungsarbeiten am Haus.

Ein Sterben auf Raten

Im Herbst 2009 öffnet zunächst aber ein neuer Innenstadtmagnet in Bottrop seine Türen – das Warenhaus Kaufland. Genau gegenüber der Center-Ruine tobt jetzt das Einkaufsleben, während im Hansa-Zentrum selbst nach und nach alle Lichter ausgehen. Immer mehr der alteingesessenen Mieter kündigen ihre Verträge. Von Seite der Projektentwicklungsgesellschaft heißt es, dass nach einem großen Ankermieter gesucht werden würde. Erst wenn der gefunden sei, würden die Banken für die Finanzierung der Sanierung ihr Okay geben. 

Im Sommer 2010 erinnert im Innern des Hansa-Zentrums nichts mehr an den alten Glanz. Der Bau ist zu einem Hort der Verwahrlosung verkommen: dunkle Gänge, abgeklebte Schaufenster der Leerstände und defekte Rolltreppen und Vandalismusschäden. Es ist zu einem Durchgangshaus verkommen, an deren Eingängen regelmäßig Angehörige der Trinkerszene ihre Notdurft verrichten. Das Center wird immer mehr zum Geisterhaus.

Eine Liste von neuen Mietern wird präsentiert

Im Juni 2011 dann die Wende: Entwicklungsgesellschaft und Investor legen der Stadt die Pläne für das neue Hansa-Zentrum vor, die das Architekturbüro RKW Rhode Kellermann Wawrowsky aus Düsseldorf entwickelt hat. Die neugestaltete Shopping-Mall mit 30.000 Quadratmetern Gesamtfläche soll rund 11.000 Quadratmeter Verkaufsfläche bieten. Neben den beiden Ankermietern „Saturn“ und „Kult/Olymp & Hades“ sollen noch über 30 weitere Filialisten aus verschiedenen Branchen und Gastronomiebetriebe einziehen.

Viele namhafte Mieter hätten bereits Verträge unterzeichnet, heißt es. Zu den drei Verkaufsebenen sind drei weitere Etagen für Arztpraxen, Büros und Wohnungen geplant (2300 Quadratmeter). Entwicklungsgesellschaft und Investor wollen zudem die bestehende Tiefgarage saniert.

Mitte Oktober soll der letzte verbliebene Altmieter des Hansa-Zentrums ausziehen, im November 2011 dann die Revitalisierung beginnen. 2013 – so planen es die Investoren – soll das Einkaufszentrum wiedereröffnet werden. 50 Millionen Euro Kosten werden für das neue, zeitgemäße Shopping-Erlebnis prognostiziert.

Geplanter Baubeginn verzögert sich

Der Beginn der Arbeiten fällt allerdings doch nicht mehr in das Kalenderjahr 2011, sondern nimmt erst 2012 seinen Lauf. Die Baugenehmigung wird dem Projekt im Februar des Jahres erteilt. Ende des Monats startet die Entkernung. Es dauert ein halbes Jahr, bis das Grundgerüst des Ursprungsbaus freigelegt ist.

Zwischenzeitlich gibt das Entwicklungsbüro des Centers dessen neuen Namen bekannt. Aus dem Hansa-Zentrum soll das Hansa Center werden. Im Mai 2013 soll der neue Rohbau nun stehen, im September die Eröffnung gefeiert werden.

Tatsächlich kann im Mai 2013 der Innenausbau starten. Doch von der Eröffnung im September rückt man ab. Aufgrund des harten Winters hätte es erhebliche Verzögerungen beim Baufortschritt gegeben. Als neuer Termin wird der November 2013 benannt.

Dass tatsächlich auf Hochtouren am Center gearbeitet wurde, dokumentierte damals ein Bottroper in einem Video, das er bei Youtube einstellte.

 

Während der Rohbaubegehung im Frühsommer wird noch eine kleine Änderung vom Sprecher der Entwicklungsgesellschaft bekannt gemacht: Die neue Tiefgarage wird kleiner ausfallen, als noch zu Beginn kommuniziert. Alle Gewerbeflächen im Hansa Center seien nun aber vermietet, heißt es vom Redos-Geschäftsführer.

Insolvenz angemeldet: Eröffnungstermin verschoben

Hiobsbotschaft im Juli 2013: Ein Planungsbüro, das am Bau des Hansa Centers mit der Haustechnik betraut ist, hat Insolvenz angemeldet. Laut Redos Real Estate soll jetzt das Ingenieurunternehmen Intecplan für die Technik einspringen. Die Folge: Die Neueröffnung des Centers soll sich auf das Frühjahr 2014 verschieben. Im gleichen Zeitraum bewahrheiten sich Gerüchte, dass „Saturn“ als Ankermieter abgesprungen ist. 

Schlimmer noch – Ende Juli 2013 wird bekannt, dass die Projektgesellschaft des Hansa-Centers, die Apollo-Redos Development Fund Bottrop GmbH, Insolvenz beantragt hat.

Fortan ruhen die Arbeiten auf der Baustelle. Gemeinsam mit dem bestellten Insolvenzverwalter bemüht sich die Stadt Bottrop nun, den Karren aus den Dreck zu ziehen, wie man mitteilt. Bis September 2014 kann trotzdem kein neuer Investor gefunden werden – doch dann gibt es Neuigkeiten, die hoffen lassen.

Bottrops Oberbürgermeister Bernd Tischler teilt dem Wirtschaftsförderungsausschuss mit, dass Verhandlungen in enger Abstimmung mit der Gläubigerbank liefen. Gleichzeitig bereite ein neuer Investor einen Vertrag mit einem Generalunternehmer vor und wolle die Arbeiten an der Baustelle fortsetzen. Zweieinhalb Jahre lang passiert am Bau dann aber nichts mehr. Hinter den Kulissen laufen aber weitere Verhandlungen mit potenziellen Investoren, heißt es von Seite der Stadt Bottrop.

Fondsgesellschaft verkauft mit Gewinn

Im August 2016 steht dann der neue Eigentümer fest. Die Leipziger Fondsgesellschaft Publity AG verspricht, einen zweistelligen Millionenbetrag für die Fertigstellung des Centers einzubringen. Laut der Publity AG sei man auch in Gesprächen mit neuen möglichen Ankermietern. Auf der Baustelle geht es wieder voran. Im Herbst 2018 soll das Hansa Center eröffnet werden.

Am 1. Juni 2017 teilt die Publity AG dann mit, dass sie das Hansa Center in Form des Immobilienfonds „Publity Performance Fonds 6“ mit Gewinn weiterverkauft hat. Neuer Eigentümer des Centers ist jetzt die Cosimo Immobilienverwaltungs- und Handels Gesellschaft aus Duisburg. Deren Geschäftsführer Oral Coskun kündigte eine Neueröffnung des Centers an - der Termin wird allerdings erneut verschoben: auf Mitte 2019.

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