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Trump, das Welträtsel: Nordkorea-Konflikt: Was bezweckt der US-Präsident?

Washington/SeoulWie ist dieser US-Präsident zu deuten? Was will Donald Trump wirklich, was ist - am Rande einer Weltkrise - nur knalliger Bluff? Nach einer bemerkenswerten Darbietung an seinem Urlaubsort in Bedminster ist klar: Man weiß es nicht.

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  • Nordkorea-Konflikt: Was bezweckt der US-Präsident?
    US-Präsident Donald Trump zusammen mit dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping in Trumps Anwesen Mar-a-Lago. Beide mahnten Nordkorea zum Unterlassen weiterer Provokationen. Foto: Alex Brandon/Archiv

Was für ein Auftritt. Die Welt am Rande des Nervenzusammenbruchs, der US-Präsident ganz entspannt. Im Sommerurlaub in Bedminster, nach dem Golfen, erhält Trump ein Sicherheitsbriefing. Und während die USA am Rande eines ernsten, gewaltigen Konflikts mit Nordkorea stehen, beginnt er zu reden. Zwei Mal. Einmal vor dem Briefing, ungleich mehr noch danach. Offensichtlich hatte sich einiges aufgestaut.

Dass Donald Trump am Stück Fragen von Reportern beantwortet, ist in seiner Präsidentschaft eine echte Rarität. In Sachen Nordkorea bleibt er an diesem Donnerstag in der Spur - zunächst. Er warnt Staatschef Kim Jong Un, der solle bloß nicht auf die Idee kommen, dummes Zeug zu machen, furchtbar würden die Folgen für dessen Land sein. Die Arme bequem auf dem Tisch verschränkt, das Siegel des Präsidenten im Kreuz, lässt Trump lässig das Szenario einer nuklearen Apokalypse entstehen.

Was er denn Nordkorea noch Schlimmeres androhen wolle als "Feuer und Wut"? "Sie werden schon sehen", sagt Trump, und legt den Kopf etwas schräg. "Sie werden schon sehen."

Wunsch nach Entnuklearisierung

Eigentlich wolle er die Welt ja von Atomwaffen befreien, sagt Trump dann unvermittelt, und zwar vollständig. Amerikaner, Alliierte, alle sollten sich sicher fühlen. Anders als Barack Obama schätze er keineswegs den Klimawandel als größte Bedrohung der Menschheit ein, sagt Trump - das war nach sechs Monaten im Amt nicht überraschend. Sein Entnuklearisierungswunsch aber, die Arme entschieden hochgereckt, schon - hatte der Präsident doch Nordkorea gerade noch historische Konsequenzen an die Wand gemalt und dabei stolz auf Amerikas atomares Superarsenal verwiesen.

Trump ist schwer zu interpretieren. Oft widerspricht er sich in einem Gedankengang mehrfach. Trotzdem klang sein zweiter Auftritt in Bedminster unter dem Strich beruhigender als der erste. Dort wollte er das "Feuer und Wut"-Zitat keinesfalls zurücknehmen, aber auch nicht wörtlich wiederholen. Rhetorische Abrüstung war das nicht, aber entscheidend ist immer noch konkrete Politik. Und die hat sich aus Washington bisher nicht geändert. Auch aus dem Golfclubheim nicht.

Ein Ritt durch die Krisenherde

Es folgte ein Trump'scher Ritt eigenen Tempos durch außenpolitische Krisenherde und innenpolitisches Unterholz. Bei Russland bedankte er sich, tatsächlich, für die Ausweisung hunderter US-Diplomaten. Sei viel billiger so. Ernst gemeint, bei einem so wichtigen Thema? Man weiß es nicht. Vielleicht ja schon, hieß es sofort in Kommentaren, angesichts schon jetzt nicht besetzter Stellen im Außenministerium und anderswo. Wer "Amerika zuerst" denke, brauche keine Diplomaten.

Für viele wäre es denkbar gewesen, dass Trump vor großer Medienkulisse in Bedminster vielleicht Präsident Wladimir Putin mal einen mitgibt, es kam aber erneut kein böses Wort über den Kremlchef.

Stattdessen bekam der arme Mitch McConnell sein Fett weg, seit Tagen neues Attacken-Lieblingsziel des Präsidenten. McConnell ist Mehrheitsführer im Senat, ausgesprochen wichtiger Republikaner, und in Washington ob seiner Methoden zwar vielleicht nicht beliebt, aber geachtet und gefürchtet. Schlicht einer der mächtigsten Männer. Wenn Trump im Herbst und danach irgendjemanden für seine Großvorhaben brauchen wird, dann denn knödelnden Senator von Kentucky. Was bezweckt Trump also mit seinen Angriffen?

Lieblingsgegner und einfache Gegner

"Mitchhunt", titelte die Zeitung Atlantic, wunderbar angelehnt an die "Witchhunt" - eine solche angebliche Hexenjagd beklagt Trump in Sachen Russland-Affäre. Und weiter jagte Trump durch die Themen: Vom zuletzt eigenhändig so absichtsvoll angeschossenen Chefankläger Jeff Sessions lässt er ab, zumindest erstmal. Ein geseufztes "Ach, es ist, was es ist", mag zwar nicht die stärkste Solidaritätsadresse sein, aber er wirft den standhaften Rechtskonservativen auch nicht raus.

Seinen Sicherheitsberater H.R. McMaster, heftig befehdet von rechten Medien und ihm feindlich gesonnenen Kreisen des Weißen Hauses, versieht Trump mit dem Siegel "unser Freund", guter Mann, sehr talentiert. Ach so, die Afghanistan-Strategie, da nähere man sich einer Entscheidung. Sei aber sehr schwer, er habe ja dort "ein Chaos" geerbt, leider.

Im Übrigen lebe der Iran nicht den Geist des Atomabkommens, seien ihm wirklich viele Menschen dankbar für seinen twitterleicht verkündeten Transgenderbann fürs Militär, hätten die US-Demokraten im Wahljahr 2016 mit der Ukraine gemeinsam Böses getan. Der US-Präsident, er hatte ein volles Herz. Selbst die blitzschnellen White-House-Profis der US-Medien kamen beim Ausschütten dieses Füllhorns mit dem Live-Mittwittern gar nicht mehr nach.

In welche Rahmen welcher Politik all das allerdings einzupassen wäre, bleibt nach diesem Auftritt offen. Fest steht aber: Wo Trump ist, ist jedes Sommerloch weit weg. Sehr weit.

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