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Interview mit Rolf Zuckowski: "Eigentlich hab ich immer für mich geschrieben"

Kinder haben mit seinen Liedern die Jahreszeiten gelernt, zum Geburtstag singen sie „Wie schön, dass Du geboren bist“ und der Advent ist mit der „Weihnachtsbäckerei“ gefüllt. All das ist Rolf Zuckowski zu verdanken. Im Interview erzählt uns Mr. Kinderlied, warum Kinder Musik brauchen und warum er selbst so viel Spaß an den Songs hat.

"Eigentlich hab ich immer für mich geschrieben"
Rolf Zuckowski steht laut Wikipedia auf Platz vier der Musiker mit den meistverkauften Tonträgern. Foto: dpa

Ob es einem passt oder nicht – um Rolf Zuckowski kommt keiner drumrum. Die, die so alt sind, dass sie noch an die Wanderlust des Müllers geglaubt haben, die bekommen es spätestens, wenn sie eigene Kinder haben, mit Rolf Zuckowski zu tun. Laut Wikipedia steht er in Deutschland an vierter Stelle der Musiker mit den meistverkauften Tonträgern. Um auf diesem Platz zu landen, braucht es knapp 14 Millionen. Im Interview erzählt er, warum Kinder Musik brauchen, warum er Lieder über Trauer schreibt und warum er selbst so viel Freude an den Songs hat.

Sie sind der Kinderliedermacher Deutschlands. Was war denn Ihr Lieblingslied, als Sie Kind waren?

Ich war Kind in den 50er Jahren. Zuerst hab ich gehört, was meine Mutter sang. Das waren Schlager und Operetten-Melodien. Als ich in die Schule kam, ging es dann eher um klassische deutsche Volkslieder. Es gab ein Liederbuch, „Der Hamburger Musikant“, in dem zwei Lieder meine Lieblingslieder waren. Einmal „Der Mai, der Mai, der lustige Mai“ von Hoffmann von Fallersleben, weil ich ja ein Kind des Mai bin.

Aber ich mochte auch „Winde wehn, Schiffe gehn“ sehr gerne. Mein Vater war Seemann und damals war Seefahrt durchaus noch eine romantische Sache, keine rein technische Angelegenheit wie heute mit den Containern. In dieser Kinderliedwelt bin ich aufgewachsen. Eigene Lieder für Kinder hab ich erst geschrieben, als ich Vater wurde, das war 1971. Die Vogelhochzeit – das waren meine ersten Kinderlieder.

Für wen haben Sie Lieder geschrieben, als Ihre drei Kinder längst erwachsen waren?

Eigentlich hab ich immer für mich geschrieben. Das mag zwar nicht jeder sofort verstehen, aber auch bei Kinderliedern ist es so, dass ich immer selber meine Freude an dem Lied haben wollte. Entweder spüren, wie ich selbst noch mal Kind bin, oder mich mit Kindern identifizieren. Zielgerichtet war das weniger, als man denkt.

Natürlich waren mir die Kinder im Sinn, aber ich war auch immer selber in dem Lied glücklich. Deshalb muss ich auch heute nur Lieder schreiben, wenn etwas aus mir herauswill. Das letzte Lied, was ich geschrieben habe, ist „Kinder brauchen Musik“. Das ist die Hymne meiner Stiftung „Kinder brauchen Musik“. Das Lied musste ich zum Beispiel schreiben. Ich sing das bei allen möglichen Gelegenheiten, um ganz schnell auf den Punkt zu bringen, weshalb Kinder Musik brauchen.

Und weshalb brauchen Kinder Musik?

Musik beglückt ja irgendwie. Musik kann auch in schwierigen Lebensphasen helfen, stärker zu werden. So ein Lied wie „Ich schaff das schon“ spielt dabei zum Beispiel eine große Rolle. Kinder werden in Ihrer Persönlichkeit und Entwicklung eindeutig durch Musik bereichert: Sich fragen: „Wer bin ich eigentlich?“, die eigene Seele spüren, die eigene Entwicklung in Liedern reflektieren. Und wenn man angefangen hat, selber zu singen und ein Instrument zu spielen, hat man etwas, was man im Leben immer weiterführen kann.

Viele andere Dinge kommen und gehen. Aber Musik, wenn man die einmal in sich hat, die blüht immer weiter auf und kann Dimensionen annehmen, von denen man als Kind gar nichts ahnt. Aber Musik stärkt auch die Gemeinschaft. Das ist mit das Wichtigste an Musik. Wenn Kinder gemeinsam singen, eine Aufführung machen oder im Orchester spielen, dann sind sie Teil einer Gemeinschaft. Darin ist ganz viel spürbar, was man mit Worten gar nicht beschreiben kann, Erlebnisse, Aufführungen, Herausforderungen.

Und deshalb sollten wir auch mehr qualifizierten Musikunterricht haben – weil wir kreative Menschen brauchen. Teamfähige kreative Menschen sind unser größtes Potenzial und Musik macht Menschen teamfähig und fördert Kreativität. Die prägt sich später auch in ganz anderen Ebenen aus: Ideen haben, an Ideen glauben, Träume haben, Träume wagen. In dem Sinne hat Musik eine ganz große Dimension und das Wort „brauchen“ ist so vielfältig darin enthalten.

Kinder hören Ihre Musik rauf und runter. Erwachsene oder ältere Geschwister sind da manchmal genervt. Ist Ihnen selbst ein eigenes Lied aus den Ohren herausgekommen?

Dazu bin ich doch zu sehr ein Kind der Beat- und Pop-Generation. Ein Lied, das man immer wieder hören mag, ist genau das, was ich immer schreiben wollte. Das sind die ganz großen Hits. Das sind die Beatles, die Beach Boys, das sind die Lieder, die im Radio rauf und runter laufen. Die man unbewusst singt.

Deshalb kann ich mich nur freuen, wenn Kinder meine Lieder immer wieder hören und singen wollen. Es ging mir noch nie so, dass es mir zu viel wurde. Und als Musiker kann ich nicht sagen, dass mir irgendwas schon mal so überdrüssig wurde. Ich habe dann immer eher Bestätigung empfunden, dass es ein starkes Lied ist. Ich kann verstehen, dass andere Erwachsene das anders empfinden.

Was kann Musik bei Kindern bewirken?

Als Musiker und kreativer Freund der Kinder hab ich es immer als Chance begriffen, die Begeisterung der Kinder zu nutzen. Und ich will einen ernsthaften Schlenker machen. Kinder leben in einer Welt, deren Einflüsse oft sehr verstörend und irritierend sind. Lieder, die sie mögen, sind eingebaute Freunde. Sie bestärken, neue Dinge durchzugehen. Zum Beispiel Einflüsse auf Reisen, neue Sprachen hören, Beschriftungen sehen, die man nicht lesen kann oder Leute sehen, die ganz anders aussehen als zu Hause. Die Lieder hat man dann als seelische Stabilisatoren und das brauchen Kinder auch. Das sollten Erwachsene auch erkennen.

Komplett eigene Konzerte geben Sie keine mehr, Sie haben sich vor einigen Jahren aus der Bühnenwelt zurückgezogen. Treten Sie außerhalb der Jubiläumstour gar nicht mehr auf?

Was in diesem Jahr über diese 40 Konzerte jetzt so geballt ist, hab ich in den letzten Jahren immer gemacht. Ich wurde eingeladen zu Jubiläen, zu Verabschiedungen von Lehrern, Kindergärtnern, auch zu Trauerfeiern. Alle möglichen Anlässe, wo ich als Ehrengast schon immer kleine Beiträge geleistet habe. Diese Aktivität auf der Bühne hab ich sehr lieben gelernt, weil sie sehr vielfältig ist und weil ich so wenig organisatorischen Aufwand habe, dass ich den Menschen so nah sein kann. Ich hab kein Team bei mir, ich bin allein, manchmal sogar nur mit der Ukulele. In dem Sinne bin ich, was die Bühne angeht, nie ganz still geworden. Dazu liebe ich das zu sehr.

Schreiben Sie noch neue Lieder?

Schreiben tu ich weniger. Was mir heute vielleicht am wichtigsten ist: Es gibt Lebensabschnitte, zu denen nur wenige Leute Lieder machen. Meine neuesten Lieder, die ich geschrieben habe, sind auf meinem Album „Deine Sonne bleibt“. Da geht es um Trauer und Trost. Die Lieder hab ich geschrieben, als meine Mutter starb. Wenn ich jetzt noch mal neue Lieder schreiben würde, glaube ich, wären sie am ehesten meiner Generation oder der Generation der heutigen Eltern gewidmet, um zu sagen: Ich bleibe an eurer Seite, ich finde noch Töne und Wort für das, was ihr heute erlebt. Neue Kinderlieder kann ich schreiben, muss ich aber nicht.

Jubliäumstour
Rolf Zuckowski ist seit Anfang des Jahres auf Jubiläumstour und kommt dafür auch ins Ruhrgebiet:
20.9.2017, Musiktheater Gelsenkirchen
13.11.2017 Stadthalle Wattenscheid

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