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: McCartney lässt grüßen: Neil Finns Opus magnum

Berlin (dpa)Dass Neil Finn ein Top-Songwriter ist, war schon länger bekannt. Mit einem bewegenden Meisterwerk krönt der Frontmann von Crowded House jetzt seine 40-jährige Karriere. Ein viel berühmterer Kollege hatte aber wohl schon so etwas geahnt.

McCartney lässt grüßen: Neil Finns Opus magnum
Live dabei: Neil Finn hat die Aufnahmen zu seinen neuen Songs im Internet übertragen. Foto: Dan Himbrechts

Paul McCartneys Lob war wie ein Ritterschlag. "Ich liebe seine Lieder", sagte der Beatles-Maestro vor einigen Jahren über Neil Finn. Dessen neues Album "Out Of Silence" ist nun das schon lange erhoffte Opus magnum von McCartneyscher Klasse.

Bei der Wave-Pop-Truppe Split Enz, vor allem aber als Frontmann von Crowded House ("Don't Dream It's Over", "Weather With You", "Distant Sun") erwies sich der Neuseeländer bereits als einer der talentiertesten Songwriter seiner Generation. Wie nur wenige andere Beatles-Verehrer zauberte Finn seit den frühen 80ern perfekte Ohrwürmer mit einem ganz eigenen Dreh aus dem Hut, ohne die Fab Four schnöde zu kopieren. Mit "Intriguer" schrieb Finn 2010 das bislang letzte Crowded-House-Kapitel.

Seine Soloalben seit dem bärenstarken Debüt "Try Whistling This" (1998) waren immer eine spannende Angelegenheit, klangen manchmal aber auch verkrampft - als müsse Finn stets beweisen, wie großartig er ist. Nun hat er allen Druck abgeschüttelt, seinen Perfektionismus gezügelt - und zehn Songs zu einem gerade mal 36-minütigen Meisterwerk verdichtet. Zu einem Balladenalbum von jener glühenden Intensität, wie sie einst Frank Sinatra in seinen melancholischen Songzyklen "In The Wee Small Hours" oder "September Of My Years" erzeugte.

Schon die Entstehungsgeschichte von "Out Of Silence" (Universal) ist faszinierend untypisch für Neil Finn. Im Roundhead-Studio von Auckland versammelte der 59-Jährige Ende August seine Musikerfamilie (Ehefrau Sharon, die Söhne Liam und Elroy, den Bruder Tim) um sich, tauschte Gitarre gegen Klavier, holte sich ein paar Streicher und eine Handvoll befreundeter Sänger als Chor hinzu. Und los ging's. "Ich schaue immer nach einem neuen Ansatz, vor allem um mich selbst bei der Stange zu halten", sagte Finn dem Magazin "Uncut".

Die dreistündigen Live-im-Studio-Aufnahmen der neuen Songs wurden für Fans im Internet übertragen und innerhalb weniger Tage digital veröffentlicht, Ende September dann auch auf CD. Viel Nachpolieren war da nicht mehr drin. Genau diese Spontaneität und Frische hatte Finns Liedern bei aller Kunstfertigkeit zuletzt oft gefehlt. Die neu gewonnene Lockerheit machte den Unterschied. Auch als Sänger war er wohl nie besser als während der magischen Sessions von Auckland.

"Es schien ein spannendes, kompromissfreies Konzept zu sein", sagte Finn zufrieden dem "Uncut". "Die Lieder sind alle gute traditionelle Ware. Ich habe wirklich an ihnen gearbeitet." Und das hört man, denn die Qualität von Songs wie "Independence Day", "Widow's Peak" oder "I Know Different" ist selbst für einen Neil Finn herausragend.

Schon der hymnische Opener "Love Is Emotional" berührt mit warmherziger Botschaft und angemessen prachtvollen Harmonien. "Alone" singt Neil Finn zusammen mit seinem Bruder und langjährigen Bandkollegen Tim - es ist erwartungsgemäß ein Fest für Freunde ambitionierter, harmonischer Popmusik. Noch am ehesten mit Crowded House vergleichbar sind die Mid- und Uptempo-Songs "Chameleon Days" und "Second Nature".

Mit "Terrorise Me" (über das Massaker im Pariser Club "Bataclan") und "The Law Is Always On Your Side" (über Polizeigewalt) hat Finn zwei überraschend politische, zutiefst traurige Lieder im Angebot. "There's no sign of hope/Looking through a telescope", singt er. Und macht sich zu einer elegant-elegischen Piano- und Streicher-Melodie Gedanken über den grausamen Zufall, ein Terroropfer zu werden: "Walking down the Boulevard Voltaire/Was it fate that brought you here, or there or anywhere?"

Mit "Out Of Silence" habe Neil Finn "der überwältigenden Hässlichkeit der Gegenwart wohl etwas schockierend Schönes entgegensetzen wollen", schwärmte ein Musikkritiker von Radio Neuseeland über das intime neue Album. "Diese Lieder laden zu ruhiger Meditation ein", schrieb ein Kollege vom "New Zealand Herald". "Je mehr man zuhört, desto mehr entfalten sie sich - atemberaubend." Man muss aber kein neuseeländischer Lokalpatriot sein, um Finn für diese großartige Platte zu bewundern. Paul McCartney darf sich jedenfalls bestätigt fühlen.

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