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: Langzeitbeziehung als Grenzerfahrung: "Die Hannas"

Nürnberg (dpa)"Es ist kompliziert": So beschreiben viele Großstädter ihren Beziehungsstatus. Bei dem Paar aus Julia C. Kaisers Komödie "Die Hannas" ist aber seit Jahren alles klar. Oder doch nicht?

Langzeitbeziehung als Grenzerfahrung: "Die Hannas"
Till Butterbach (Hans) und Anna König (Anna) sind so miteinander verschmolzen, dass ihre Freunde sie nur "die Hannas" nennen. Foto: W-film/tellfilm

Zweisamkeit kann so schön und schrecklich zugleich sein: nebeneinander einschlafen und wieder aufwachen, Streit und Versöhnung, Liebe und Leidenschaft, der alltägliche Wahn- oder Stumpfsinn.

Eine lange, erfüllte Partnerschaft steht für viele immer noch ganz weit oben auf der persönlichen Liste der Lebensziele. Aber wie ging das gleich nochmal mit der Liebe? In Herzensdingen sind bekanntlich schon die Reichsten, Klügsten und Schönsten gescheitert.

Umso schöner ist es natürlich, wenn die Liebe einigermaßen gelingt. Durch welche Irrungen und Wirrungen aber auch die harmonischste Beziehung schlittern kann, führt die temporeiche Tragikomödie "Die Hannas" von Filmemacherin Julia C. Kaiser vor.

Anna (Anna König) und Hans (Till Butterbach) sind seit 15 Jahren zusammen. Wie Eichen stechen die Mittdreißiger aus dem Berliner Wildwuchs der romantischen Unverbindlichkeit heraus. Das Paar kennt sich durch und durch. Beweisen muss man sich längst nichts mehr, über Fettpölsterchen und Schrulligkeiten wird großzügig der Mantel der Liebe gedeckt. In der Wahrnehmung ihrer Weggefährten sind Anna und Hans auch sprachlich zur Einheit verschmolzen: "Ein Toast auf die Hannas: Das einzige Paar, das es schafft, im Kompromiss glücklich zu sein", prostet eine gemeinsame Freundin dem Duo zu.

Doch das traute Bild hat Risse. In Anna macht sich Unzufriedenheit breit, ihrem Psychologen offenbart sie den Wunsch nach einem Ausbruch aus dem Alltagstrott. Schon bald wagt Anna erste Fluchtversuche. Eines Tages massiert die Physiotherapeutin ihre Patientin Nico (Ines Marie Westernströer) mit zweideutiger Absicht - und kommt ihr näher. Nico verliebt sich, langsam entwickelt sich eine Affäre, die die zurückhaltende Anna in einen Gefühlstaumel versetzt.

Unterdessen weckt ein von Liebesnöten geplagter Freund bei Hans die Sorge, dass seine Beziehung vor dem Aus stehen könnte. Hans will gegensteuern - und verordnet sich ein strammes Fitnessprogramm. Mit der gestrengen Trainerin Kim (Julia Becker) lässt er sich auf ein ebenso bizarres wie sinnliches Katz-und-Maus-Spiel ein, in dem sie bald die Rollen tauschen.

Was Hans und Anna zunächst nicht wissen: Zwischen Nico und Kim gibt es eine enge Verbindung. Und "die Hannas" müssen sich bald die Frage stellen, vor der viele Paare in der Krise stehen: bleiben oder gehen?

Julia C. Kaiser ist nach ihrem Langfilmdebüt "Das Floß" mit "Die Hannas" ein Comedy-Drama mit fesselnder Bildergewalt gelungen, das mit seinen süffigen Farben an die Traumwelten in Michel Gondrys Filmen "Science of Sleep" und "Vergiss mein Nicht" erinnern. Und die Dialoge in Kaisers Film kommen so frech und freigeistig daher wie man es von Berlinern eben kennt. Bei all den abrupten Szenewechseln kann einem allerdings schon mal schwindelig werden. Genau wie in der Liebe.

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